Die Banalität des Bösen Reloaded

Die Doppelanschläge von Oslo am vergangenen Freitag mit 76 Toten haben auf der Welt schieres Entsetzen hervorgerufen. Ein Mensch allein, der von der norwegischen Polizei als “einsamer Wolf” beschrieben wird, konnte ein ganzes Land, vielleicht sogar die gesamte westliche Zivilisation, in eine schwere Glaubenskrise bezüglich ihrer Werte und ihres Rechtssystems stürzen.

Ich habe in den letzten Tagen viel mit zum Teil sehr verschiedenen Menschen über die Tat, den Attentäter und seine Ideologie gesprochen. Anders als bei vorhergenden Amokläufen und Terroranschlägen besteht nämlich die einmalige Möglichkeit, tiefer ins Innere und die Beweggründe eines offenbar geistesgestörten und jeglichen Hang zur Realität verlorenen Menschen zu blicken. Und dies aus zweierlei Gründen, die womöglich einmalig sind innerhalb der jüngsten Terror-Geschichte: zum einen ist der Attentäter noch am Leben und zum anderen hat er kurz vor seiner Tat ein ca. 1500-seitiges Pamphlet seiner Ideologie mit dem Titel “2083 – A European Declaration of Independence” im Internet gestreut. Ich selbst habe eine Kopie des Werks als pdf-Datei auf meinem Rechner. Ein Uni-Kollege sendete es mir gestern auf meine Bitte hin zu, ich überflog die Einleitung etwas, und scrollte durch.

Und genau an diesem Punkt fangen die Probleme an. Wie umgehen mit diesem Machwerk, das mit abstrusen Thesen und hanebüchenen Herleitungen aufwartet? Das ist eine Frage, die ich mehreren Menschen, die in der Wissenschaft tätig sind, in den letzten Tagen stellte. Und die Antwort fiel sehr uneindeutig aus. Am intensivsten war sicher die Reaktion eines Kollegen aus der Politikwissenschaft, der jegliche Beachtung der Schrift zutiefst ablehnt, mit der Begründung, ihr nicht auch noch ein Podium einzuräumen, ihr nicht die Möglichkeit gesellschaftlichen Einflusses zu verschaffen. Das ist durchaus eine nachvollzieh- und vertretbare Meinung. Und doch musste auch dieser Kollege einsehen, dass sich wohl weder die Verbreitung des Pamphlets, noch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihm verhindern lassen wird.

Fest steht: der Fall Anders Behring Breivik stößt eine Tür auf, die Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen in den nächsten Jahren intensiv beschäftigten wird. Gemeinsam mit dem von ihm verfassten – und über weite Strecken plagiierten – Werk, sind dieser Mann, seine absurden Ansichten und die Konsequenzen seiner Tat sowohl für Psychologen als auch für Soziologen, Politik- wie Kommunikationswissenschaftler oder Juristen von entscheidender Relevanz. Schon die Probleme, die sich für Norwegen nun mit der Festlegung des Strafmaßes, mit einer Integrations- und Sicherheitsdebatte sowie einer allgemeinen Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche ergeben, erfordern geradezu eine intensive Bearbeitung der Materie auf wissenschaftlichem Niveau.

Nun stellt sich die Frage: bietet eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Breivik und seiner “Dystopie” dem Ganzen ein zusätzliches Podium? Nun, sie ist nicht einfach zu beantworten. Grundsätzlich “ja”, sie bietet ein Podium. Doch zwei Dinge sollten bei dieser Einschätzung nicht außer Acht gelassen werden: erstens hat dieser Mann bereits ein “Podium” erhalten, indem er eine unfassbar kaltblütige Tat mit einer schier unglaublichen Anzahl an Opfern vollbrachte. Sich nicht mit dieser Tat und den Gründen für sie zu beschäftigen, hieße gesellschaftlich und politisch verantwortungslos zu handeln. Zweitens ist es doch Teil eines jeden sozialen Entwicklungsprozesses, sich mit den Fehlschlägen der Vergangenheit sachlich auseinanderzusetzen und die richtigen! Konsequenzen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen. Dabei spielt es meines Erachtens eine eher untergeordnete (jedoch nicht “keine”) Rolle, ob die veröffentlichte Erklärung aus der Hand eines einzelnen Mannes stammt oder einer Gruppe von Menschen, z.B. einer terroristischen Vereinigung. Sie kann Ausdruck einer verirrten Psyche oder aber auch eines breiter aufgestellten gesellschaftlichen Problems sein, und zog eine schreckliche Tat nach sich, die allein schon aufgrund der hohen Anzahl an Opfern und der damit breiten Betroffenheit zumindest innerhalb der norwegischen Bevölkerung gesellschaftliche Relevanz beanspruchen kann. Und was gesellschaftlich relevant ist, ist auch von wissenschaftlicher Relevanz.

Schon in der Vergangenheit waren die wissenschaftlichen Beschäftigungen mit Massenmödern wichtig, zeigen sie doch oft die Universalität bestimmter Denkweisen und regen sie einen inneren Prozess an, an dessen Ende individuelle, aber auch kollektive Selbsterkenntnis steht. Ich erinnere nur an die zahlreichen Analysen und Kommentare zu Adolf Hitlers “Mein Kampf” oder die dezidierte und bahnbrechende Auseinandersetzung Hannah Ahrendts mit der “Banalität des Bösen” im Zuge des Eichmann-Prozesses 1963. Tatsächlich glaube ich, dass vor allem dieses Werk innerhalb der Debatte um den Oslo-Attentäter besondere Aufmerksamkeit erfahren wird.

Würden wir heute anders über Hitler, Eichmann und Konsorten denken, wenn diese Sekundärwerke nicht verfasst worden wären? Ich denke ja. Erst, wenn man Probleme benennt, ihrem Ursprung auf den Grund geht und entweder Lehren für die Zukunft oder Erkenntnisse über die menschliche Existenz an sich gewinnt, können ähnliche Ereignisse zukünftig verhindert werden. Diese Aufgabe hat die Wissenschaft und dieser Aufgabe sollte sie nicht, sondern MUSS sie auch im Falle Anders Behring Breivik nachkommen. Der Name und das Gesicht dieses Mannes sind bereits bekannt, die Tat ist geschehen, sie ist bereits ein unabänderlicher Teil der nationalen Geschichte Norwegens sowie der Weltgeschichte. Ihr mit Nichtbeachtung zu begegnen spielt nur denjenigen in die Hände, die naiv den Worten des Pamphlets Glauben schenken wollen und seine Botschaften weiterbreiten. Stattdessen muss dieser Glauben durch das einzige bekämpft werden, was dazu in der Lage ist und immer war: wissenschaftliche Sachlichkeit und Faktenwissen.

“It could be whatever I want it to be.”

Habe mal wieder dieses Blog sträflich vernachlässigt in den letzten Wochen und Monaten. Ich würde mich gerne bei irgendwem dafür entschuldigen, bringt aber nix – denn dann wäre das ja schon das dritte Mal, dass ich mich dafür entschuldige, was darauf schließen lässt, dass ich nur schwer lernfähig bin und das Wort “Entschuldigung” an Bedeutung verliert. Deshalb: ich entschuldige mich nicht – es ist wie es ist.

Die lange Abstinenz hatte freilich auch ihren Grund bzw. vielleicht sogar ihre Gründe. Auf jeden einzelnen kann und möchte ich nicht eingehen – zugegebenermaßen war Unlust ein nicht unwesentlicher – aber die vergangenen Monate seit dem letzten Eintrag waren doch schon von entscheidenden Veränderungen oder dem Beginn von Wegen in nachhaltige Veränderungen geprägt.

Soviel vorweg: der Vortrag in Italien war gut – Ferrara ist eine wunderschöne, prototypische italienische Stadt. Ich habe tolle Leute auf der Tagung kennengelernt und auch viel mitgenommen zu dystopischer Literatur. Außerdem hatte ich Gelegenheit, gleichen Vortrag noch einmal in Weimar drei Wochen nach Italien zu halten und mich im “Vortragen” zu trainieren. Soweit so gut. Ich glaube, dass ich frei vor Menschen sprechen kann. Ich glaube sogar, dass ich frei MIT Menschen sprechen kann, die ich nicht kenne.

Das führt mich gleich zum nächsten Thema. Die größte Veränderung war sicherlich mein Wechsel vom Primat der Wissenschaft hin zur “freien Wirtschaft”. Ein guter Bekannter fragte mich, ob ich nicht mit ihm in seiner neugegründeten Firma für IT-Vertrieb arbeiten möchte und nach einigem Überlegen sagte ich “ja”. Ich glaube schon, dass mir diese Aufgabe liegen wird, eben aufgrund dessen, dass ich mich eigentlich für einen offenen, wortgewandten, zugänglichen und vor allem im Bereich Informationstechnik kundigen Menschen halte. Außerdem kann ich davon gut meine Miete zahlen, suche sogar nach einer neuen Wohnung, ganz für mich alleine. Dass dieses Streben in Jena ein mühseliges Unterfangen ist, ist mir durchaus bewusst. Ich hoffe sehr, dass sich dennoch eine Lösung findet. Wer also einen Tipp hat, der kann sich gerne bei mir melden. ;)

Und dennoch plagt mich ein doch größeres Problem, welches sich genau aus diesem Übergang von der Wissenschaft zur Wirtschaft ergibt, nämlich aus dem Unbehagen einer Trennung von etwas, was mir Freude bereitet, was ich als wichtig für mein Selbst erachte, nämlich allumfassende Bildung. Kurzum: ich habe den Universitätsalltag in Jena durchaus genossen, habe mich aber nicht wirklich der Forschung hingegeben, wie ich es vielleicht hätte tun sollen und wie es andere tun. Trotz reichlicher Zeitressourcen wollte die Doktorarbeit – mit welchem Thema auch immer – nicht so recht vorankommen. Irgendwas lenkte immer ab, irgendwie verschmähte einen aber auch die Muse zu oft. Um Missverständnisse von vornherein auszuräumen: ich bin noch immer Doktorand und habe vor, die Arbeit zu verfassen. Ich glaube, dass, sobald in den Arbeitsalltag mehr Routine eingekehrt ist, die Ressourcen dafür von mir aufgebracht werden können – zeitlich wie mental. Ich bleibe auch weiterhin Lehrbeauftragter und gebe Seminare im Bereich der politischen Theorie und Ideengeschichte. Im kommenden Semester wird es wieder einen Kurs zur Utopie geben, soviel sei schon einmal gesagt. Ich mache dies gerne, vor allem, weil mir das Thema liegt, die Diskussion darüber Spaß macht und ich mich in diesem Bereich nicht nur weiterbilden möchte, sondern auch weiter träumen kann. Die Beschäftigung mit diesem Genre ist für mich Wissenschaft und Erholung zugleich.

In meiner Brust schlagen aber zwei Herzen: das des Wissenschaftlers und das des aktiven “Unternehmers”. Ich mag es, mich für kurze Zeit Projekten hinzugeben, mit neuen kreativen Ansätzen Vorstellungen zu verwirklichen. Ich mag es auch, Wissen auf theoretischen Gebieten zu erlangen, mich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des politischen und sozialen Denkens sachlich auseinanderzusetzen. Und doch schrecke ich vor einem längeren Projekt wie der Dissertation etwas zurück. Ich benötige Abwechslung, um kreativ denken zu könnnen, die Promotion jedoch schafft jahrelange Monotonie, mit der nicht jeder zurechtkommt. Ich weiß nicht, ob ich damit zurechtkomme. Ich hoffe es. Wenn nicht, dann habe ich etwas gelernt und auf einen Luxus verzichtet – nicht jedoch auf eine Lebensnotwendigkeit. Nicht zuletzt mein neuer Job, daneben jedoch auch die Debatten um Dissertationsplagiate der letzten Monate und die damit verbundene Abwertung des Grades, zeigen mir, dass die Promotion keine Lebensnotwendigkeit darstellt. Über 90% der Uni-Absolventen gehen sie nicht an. Das ist sicher keine Legitimation für eine Selbstaufgabe, aber es ist ein weiches Kissen, in das man ohne Angst fallen kann, sofern man sich bewusst macht, was einem wichtig ist.

Worauf ich eigentlich hinaus will? So richtig weiß ich das auch nicht. Dieses Unwissen offenbart aber auch das Dilemma, in dem ich mich derzeit befinde. Acht Jahre war die Universität, das Institut und die Menschen, die damit verbunden sind, mein geistiges Zuhause, ein persönlicher Rückzugsort, vielleicht sogar so etwas wie eine Familie. Vielleicht fällt mir der “Abnabelungsprozess” auch deshalb so verdammt schwer. Es ist die Angst vor dem Ende eines mir wichtigen Lebensabschnittes und dem Beginn eines neuen. So serienjunkiemäßig das nun auch klingen mag, aber in so einer Situation muss ich auch an die letzten Szenen von “Lost” (dass ich letztens übrigens komplett für 60 Euro bei Amazon.co.uk erwerben konnte) denken, den Dialog zwischen Jack und seinem Vater Christian, der mich aus irgendeinem Grund stets zum Nachdenken anregt, wenn ich ihn höre:

Christian: “The most important part of your life was the time that you spent with these people. That’s why all of you are here. Nobody does it alone, Jack. You needed all of them and they needed you.”
Jack: “For what?”
Christian: “To remember and let go.”
Jack: “Kate, she said we were leaving.”
Christian: “Not leaving, no, moving on.”
Jack: “Where are we going?”
Christian: “Let’s go find out.”

Oder um mit meinem absoluten Lieblings-Pilotfilm-Ende zu sprechen, dass ungefähr die gleiche wichtige Botschaft enthält:

Oder sogar und noch viel, viel treffender (insbesondere ab 5:10 Minuten):

It could be whatever I want it to be.

Dystopische Musik? “Handlebars” von den Flobots

Einst entdeckte ich diesen Song. Eigentlich nicht so meine Musikrichtung, aber: er birgt Potential für eine dystopische Betrachtungsweise. Es gibt also auch dystopische Musik. Gut zu wissen. Ich finde die Dramaturgie des Songs, trotz seiner einfachen Struktur, inhaltlich einfach toll. Und irgendwie beängstigend wahr.

I can ride my bike with no handlebars
No handlebars, no handlebars
I can ride my bike with no handlebars
No handlebars, no handlebars

Look at me, look at me
Hands in the air like it’s good to be
Alive and I’m a famous rapper
Even when the paths are all crookedy

I can show you how to do-si-do
I can show you how to scratch a record
I can take apart the remote control
And I can almost put it back together

I can tie a knot in a cherry stem
I can tell you about Leif Ericson
I know all the words to “De Colores”
And “I’m Proud To Be An American”

Me and my friend saw a platypus
Me and my friend made a comic book
And guess how long it took
I can do anything that I want, ’cause look

I can keep rhythm with no metronome
No metronome, no metronome
And I can see your face on the telephone
On the telephone, on the telephone

Look at me, look at me
Just called to say that it’s good to be
Alive in such a small world
I’m all curled up with a book to read

I can make money, open up a thrift store
I can make a living off a magazine
I can design an engine
Sixty four miles to a gallon of gasoline

I can make new antibiotics
I can make computers survive aquatic conditions

I know how to run a business
And I can make you wanna buy a product

Movers, shakers and producers
Me and my friends understand the future
I see the strings that control the system
I can do anything with no assistance

Cause I can lead a nation with a microphone
With a microphone, with a microphone
And I can split the atom of a molecule
Of a molecule, of a molecule

Look at me, look at me
Driving and I won’t stop
And it feels so good to be alive and on top
My reach is global, my tower secure
My cause is noble, my power is pure

I can hand out a million vaccinations
Or let ‘em all die in exasperation
Have ‘em all healed of their lacerations
Have ‘em all killed by assassination

I can make anybody go to prison
Just because I don’t like ‘em
And I can do anything with no permission
I have it all under my command

Because I can guide a missile by satellite
By satellite, by satellite
And I can hit a target through a telescope
Through a telescope, through a telescope

And I can end the planet in a holocaust
In a holocaust, in a holocaust
In a holocaust, in a holocaust
In a holocaust!

I can ride my bike with no handlebars
No handlebars, no handlebars
I can ride my bike with no handlebars
No handlebars, no handlebars

Eine Reise in die Vergangenheit/Zukunft mit der SeaQuest

Ha, ich schrieb ja letztens über Prokrastination. Eines meiner liebsten Prokrastinations-Beschäftigungen ist das Schauen von irgendnem Kram auf “Video”, also heute auf DVD oder aus dem Netz. Whatevs.

Hab ich doch glatt letztens überlegt, was man sich als nächstes mal so anschauen könnte und meine Gedanken verirrten sich dann in Erinnerungen an das Jahr 1993 oder 94 als mit “SeaQuest DSV” eine neue, total innovative Serien an den Start ging, die sowas wie “Star Trek” im Wasser darstellen sollte. NUR NOCH VIEL BESSER! Das versprach zumindest Co-Produzent Steven Spielberg damals. Naja, ich hab mir also den Piloten und ein paar Folgen besorgt (leider nur auf deutsch) und angeschaut. Und was soll ich sagen? Die Erinnerungen kamen zurück, vor allem beim Lauschen der tollen Titelmelodie.

Mal kurz, worum’s geht: 2018. Die SeaQuest ist ein ziemlich großes, etwa 300 Meter langes U-Boot, das ein bisschen aussieht wie ein Vorlonen-Raumschiff aus “Babylon 5″. Die Erde hat sich mal wieder zerstritten und Rohstoffe werden vom Meeresboden gekratzt. Damit sich auch fein jeder an die Bestimmungen zum Schutz der Meere hält usw. usf. scharwenzelt die SeaQuest mit ihrer illustren Crew (ein Captain, der eh die Schnauze voll hat; eine Ärztin, die besser zur Heilsarmee gegangen wäre; diverse Brückenoffiziere, die alle auf ihre Art irgendwie seltsam sind, ein etwas coolerer Wesley-Crusher-Abklatsch (RIP Jonathan Brandis); und ein quatschender Delfin) durch die sieben Weltmeere, um all den Bösewichten einen Torpedo vor den Latz zu knallen, die die Verträge zur Sicherheit der Meere, die irgendwo aushängen, nicht gelesen haben. Die Abenteuer, die sie dabei erleben gleichen denen von “Star Trek: The Next Generation”. Das Konzept ist wirklich sehr ähnlich. Nichtsdestotrotz eine Science-Fiction-Serie, die wohl schon viel zu viele vergessen haben. Schade drum. Ein bisschen zumindest. Wo doch die Titelmelodie so fetzt.

Wenn ich mich recht erinnere hatte die Serie schon bald mit einem dramatischen Absturz der Einschaltquoten zu kämpfen und wurde deshalb von Staffel zu Staffel abgedrehter, was die Begegnung mit Aliens unter Wasser, Zeitreisen, Atlantis und so ‘nen Kram einschloss. Der Cast wechselte irgendwie auch jedes Jahr. Mhm.

Naja, jedenfalls. Das wollte ich euch mal sagen. Dass es die Serie mal gab. “SeaQuest DSV” hieß sie, wie schon gesagt.

Ich glaube, damit habe ich meinem Uni-Abschluss als Historiker Genüge geleistet und eine Serie vor dem Vergessen bewahrt. Dann kann ich jetzt auch beruhigt schlafen gehen. Schön.

Seaquest Intro Deutsch von Clipfish

Science Somtimes Suckz

Mhm. Da bin ich jetzt schon seit einer gefühlten halben Ewigkeit dabei, einen Beitrag für eine internationale und interdisziplinäre Konferenz zum Thema “Dystopien und Technik” in Italien vorzubereiten und ich komme nicht voran. Ich weiß von der Konferenz nun schon seit fast einem Jahr und wie so oft fange ich erst 14 Tage vor Abgabeschluss des geforderten Papers an, mal daran zu schreiben. Obwohl das Exposé schon seit geraumer Zeit fertig ist und der eigentliche Fahrplan bzw. das Vorhaben stehen sollte, stehe ich derzeit etwas auf dem Schlauch und denke mir: “Was hast du dir da damals eigentlich mit diesem Exposé eingebrockt?” Nun, diesen Schlamassel muss ich jetzt irgendwie ausbaden. Irgendwie. Es ist nämlich leider in der Wissenschaft manchmal wie in der Kunst: Wenn die Muse dich nicht packt, dann Prost Mahlzeit! Und: MANCHMAL NERVT SIE EIN BISSCHEN UND MAN HAT SIE ÜBER UND WÜNSCHT SICH AUCH MAL EIN BISSCHEN UNTERSCHICHTENFERNSEHEN.

Wie dem auch sei. Der Beitrag soll wohl davon handeln, dass im Zeitalter von Google, Facebook, Apple & Co. das genuin dystopische Merkmal des Verlusts der Privatsphäre von staatlichen Institutionen auch auf private Unternehmen übergeht, sich der Staat in einem Dilemma befindet: nämlich dass er einerseits darauf zurückgreifen will, die eigene Bevölkerung zu überwachen, aber andererseits die Bürger vor unbefugtem Eindringen in die Privatsphäre schützen muss.

Im Exposé habe ich das seinerzeit so formuliert:

“Der geplante Beitrag soll auf die oben genannten Dilemmata und Gefahren, die neue Technologien bei der politischen Gestaltung von Gesellschaften bereitstellen, eingehen und sich mit Verantwortung von Regierungen gegenüber der eigenen Bevölkerung auseinandersetzen. Zentrales Element wird dabei die unterschiedliche Wahrnehmung des Staates als Initiator dystopischer Überwachungsszenarien einerseits, jedoch auch als Verteidiger der individuellen Freiheit des Bürgers gegenüber immer weiter in den privaten Raum eindringende Wirtschaftsunternehmen andererseits sein. Ziel ist es, zu bestimmen, inwiefern der dystopische Diskurs die gegenwärtige Politik beeinflussen kann und in welchem Maße er sich den verändernden Machtverhältnissen zwischen Politik und Wirtschaft anpasst.”

Ja, ne? Schon klar. Klingt toll. Heißt irgendwas. Mein Beitrag wird also entweder supergut – wonach es derzeit eher nicht aussieht, weil ich nur rumlabere, dafür aber auf hohem Niveau – oder eine Blamage vor dem Herrn. Drückt mir die Daumen für Ersteres.